Neues Bundesarchivgesetz in Kraft getreten

Von Dr. Michael Stulz-Herrnstadt und Fabian Jeschke

Am 16. März 2017 ist die Novellierung des Bundesarchivgesetzes (BArchG) in Kraft getreten. Der Bundestag hatte die Reform bereits in seiner Sitzung am 19. Januar 2017 beschlossen.

Das BArchG ist neben dem Informationsfreiheitsgesetz zentrales einfachgesetzliches Instrument für den Zugang zu Unterlagen von Bundesbehörden. Die zentralen Regelungsgehalte des bisherigen BArchG stammten aus dem Jahr 1988 und waren – im Unterschied zur Archivgesetzgebung der Länder – seitdem nicht wesentlich aktualisiert worden. Das bisherige BArchG von 1988 wird nun von einer konstitutiven Neufassung abgelöst. Neben einer umfassenden Neustrukturierung, Straffung und sprachlichen Überarbeitung sieht das neue BArchG auch einige wesentliche inhaltliche Neuerungen vor, die den Zugang zu Informationen erleichtern sollen.

English Summary

On 16 March 2017 the new Federal Archives Act (BArchG) entered into force. The German Federal Parliament (Deutscher Bundestag) had adopted the reform in one of its sessions in January 2017.

Besides the Freedom of Information Act (Informationsfreiheitsgesetz) the BArchG is a central instrument for access to documents of federal authorities. It had not been substantially updated since its introduction in 1988 and is now being replaced by a constitutive amendment. Alongside comprehensive restructuring, tightening and verbal revision the new BArchG also includes some significant changes to facilitate access to information. Read the full English version here.

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World of Warcraft I+II – Urheberrechtsverletzung und wettbewerbswidrige Behinderung durch Buddy-Bots

Um Online-Spiele wie World of Warcraft (WoW) spielen zu können, muss der Spieler eine Clientsoftware herunterladen und auf seinem Computer installieren. Das Spiel selbst erfordert oft stundenlange, repetitive Handlungen. Manche Spieler nutzen daher Hilfsmittel, sog. Cheat- oder Buddy-Bots, eine Software, die es ihnen ermöglicht, im Spiel weiterzukommen, ohne tatsächlich selbst zu spielen. Dieses Automatisierungsprogramm steht unter Beschuss, insbes. wegen Verletzung von geistigen Eigentumsrechten; jüngst in zwei Verfahren vor dem Bundesgerichtshof (BGH). Dieser hat entschieden, dass die Vervielfältigung der WoW-Clientsoftware zu gewerblichen Zwecken eine Urheberrechtsverletzung durch den Hersteller der Bots darstellt (I ZR 25/15, Urt. v. 6.10.2016). Ferner stellt der Vertrieb der Bots, die eine entsprechende Abwehrsoftware des WoW-Herstellers zu umgehen vermögen, eine wettbewerbswidrige Behinderung dar (I ZR 253/14, Urt. v. 12.1.2017).

English Summary

To be able to play online games, e.g. World of Warcraft (WoW), the player has to download a client software and install it on his computer. The game demands hours of repetitive actions. Some player therefore use so-called cheat- or buddy-bots, a software, allowing them to achieve goals in the game without actual playing it. This automatization technology is under fire for infringing property rights and fair competition, recently in two cases before the German Federal Supreme Court (BGH). The Court decided that the commercial reproduction of the WoW client software to develop the bots constitutes a copyright infringement (I ZR 25/15, judgement of 6 October 2016). Further, the distribution of such bots that also circumvent the use of a defence software applied by the WoW producer establishes an illegal obstruction of a competitor (I ZR 253/14, judgement of 12 January 2017).

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Gesetzentwurf zur Verbesserung der Rechtsdurchsetzung in sozialen Netzwerken

Von Prof. Dr. Stefan Engels & Bastian Grätz

Das Bundesministerium der Justiz hat am 13. März 2017 einen Gesetzentwurf zur Verbesserung der Rechtsdurchsetzung in sozialen Netzwerken vorgestellt. Hate Speech und Fake News auf solchen Plattformen sollen wirksamer bekämpft werden. Unter Bussgeldbewehrung werden Plattform-Betreiber zur Einrichtung eines einfachen und effektiven Beschwerdemanagements und damit dazu verpflichtet, offensichtliche Rechtsverstöße innerhalb von 24 Stunden abzustellen sowie sonstige rechtswidrige Inhalte innerhalb von sieben Tagen ab Eingang der Beschwerde zu entfernen. Hinzukommt eine vierteljährliche Berichtspflicht.

English Summary

On March 13th 2017, the German Federal Ministry of Justice has presented a bill for the improvement of law enforcement in social networks. Hate speech and fake news on such platforms are to be opposed more effective. Platform operators, under a treat of fine, are bound to remedy obvious violations within 24 hours and to delete other unlawful content within 7 days after receiving an appeal. Furthermore the platform operators are obligated to report quarterly.

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Geplante Änderungen im Straßenverkehrsrecht: Gesetzesentwurf zum automatisierten Fahren und die Folgen für Fahrzeugführer, -halter, und -hersteller

Jüngst verabschiedete die Bundesregierung einen Gesetzesentwurf zur Änderung des Straßenverkehrsgesetzes (StVG). Es sollen Regelungen für das “automatisierte Fahren” von Kraftfahrzeugen geschaffen werden. Dieser Entwurf muss nun noch Bundesrat und Bundestag passieren, bevor er in Kraft treten kann.

English Summary:

The German federal government has launched a bill for the adaptation of the Road Traffic Act (StVG) to cars with highly automated and fully automated driving systems. The vehicle driver (Fahrzeugführer) remains the natural person on the driver’s seat. He must always be in a position to take control of the vehicle and be familiar with the technical specifications of the automated driving system. If, however, an accident is caused solely by the automated driving system used in accordance with its intended use, only the owner of the car shall be liable. For this purpose liability bonds for the owner liability are doubled. In addition a “black box” will be mandatory for such vehicles. It helps in the event of an accident to solve the question of responsibility.

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Umfang einer Unterlassungsverpflichtung – Rückruf aus den Vertriebswegen

Der Bundesgerichtshof (BGH) hat in einem Beschluss vom 29. September 2016 (I ZB 34/15) entschieden, dass die Verpflichtung zur Unterlassung einer Handlung sich regelmäßig nicht darin erschöpft, eine Handlung zukünftig nicht vorzunehmen, sondern darüber hinaus die Pflicht umfasst, mögliche und zumutbare Handlungen zur Beseitigung des Störungszustandes zu ergreifen. Dies kann nach Auffassung des BGH die Verpflichtung beinhalten, auf Dritte einzuwirken, soweit die Beseitigung des Störungszustandes dies erfordert. Davon ausgehend hat der BGH festgestellt, dass ein Schuldner, dem der Vertrieb eines Produktes untersagt worden ist, einen Rückruf der Produkte gegenüber seinen Abnehmern vornehmen muss, damit bereits ausgelieferte Produkte nicht weiter vertrieben werden.

Scope of a cease and desist obligation – recall from distribution channels

The Federal Court of Justice (FCJ) decided in its judgement dated 29 September 2016 (ref. I ZB 34/15) that an obligation to cease and desist is not exhausted by refraining from the prohibited action in the future but also entails the obligation to undertake all possible and reasonable steps to eliminate the disorder status. According to the opinion of the FCJ this covers the obligation to actively reach out to third parties as far as this is necessary to remove the infringement. Against this background the FCJ determined that a debtor who was prohibited to distribute a product has to recall his products towards his customers to ensure that products which have already been delivered will not be distributed further.

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Datenzugriff im transatlantischen Rechtsraum: Neuigkeiten zum Microsoft-Verfahren – Neuer Fall in Sachen Google

von Dr. Martin Metz und Jan Spittka

Konflikte zwischen IT-Konzernen und Regierungen bezüglich des Zugriffs auf Kundendaten sorgen verstärkt für Schlagzeilen. Beispielhaft zeigt dies das Microsoft-Verfahren, in dem die US- Regierung für strafrechtliche Ermittlungszwecke die Durchsuchung eines Email-Accounts anordnete. Microsoft wiedersetzte sich dieser Aufforderung mit dem Argument, dass die Daten sich auf einem Server befinden, der außerhalb der USA belegen ist. Im Januar 2017 ist zu diesem Verfahren eine weitere Entscheidung des Berufungsgerichts des Second Circuit ergangen, mit der die Anordnung der Herausgabe der Daten für rechtswidrig erklärt wird. Demgegenüber hat der US District Court E.D. of Pennsylvania in einem Verfahren gegen Google die Herausgabe von im Ausland gespeicherter Daten für rechtmäßig erklärt.

English Summary:

Recent conflicts between IT companies and government authorities relating to the access to customer data are in the new more and more often. For instance, in the Microsoft case, the U.S. government ordered to search an email account for law enforcement purposes. In this matter, the United States Court of Appeals for the Second Circuit ruled in January 2017 that the warrant to disclosure data is unlawful. On the contrary, U.S. district court E.D. of Pennsylvania ruled in a case concerning Google that the disclosure of data stored abroad is lawful.

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Abmahnkosten bei illegalem File-Sharing – Bemessung des Unterlassungsstreitwerts

Der Bundesgerichtshof (BGH) hat in zwei Entscheidungen vom 12. Mai 2016 (I ZR 43/15 und I ZR 44/15) festgestellt, dass der Wert des mit einer Abmahnung verfolgten Unterlassungsbegehrens maßgeblich durch die Art des Verstoßes, insbesondere seine Gefährlichkeit und Schädlichkeit bestimmt wird. Der Unterlassungsstreitwert ist daher nicht an der Höhe des Lizenzschadensersatzes zu bemessen. In den beiden Fällen hat der BGH für die Durchsetzung eines Unterlassungsanspruchs aufgrund der illegalen Bereitstellung eines durchschnittlich erfolgreichen, erst vor kurzer Zeit erschienenen Computerspiels bzw. Spielfilms über eine Tauschbörse im Internet im ersten Fall einen Gegenstandswert von nicht unter 15.000 EUR für angemessen erachtet, was erstattungsfähige Rechtsanwaltskosten von durchschnittlich 865 EUR ergibt, und im zweiten Fall von nicht unter 10.000 EUR, was erstattungsfähige Rechtsanwaltskosten von durchschnittlich 745 EUR ergibt. Je nach Einzelfall kann der Gegenstandswert – und damit die erstattungsfähigen Rechtsanwaltskosten – auch höher bemessen werden.

Illegal File-Sharing – Reimbursable Attorney Fees for Warning Letter

In two decisions dated 12 May 2016 (ref. I ZR 43/15 and I ZR 44/15), the Federal Court of Justice (FCJ) has made clear that the value of a motion to cease and desist that is pursued via warning letter is largely determined by the nature of the offence, in particular its harmfulness. The amount in dispute for a motion to cease and desist is therefore not determined by the amount of damages based on lost license fees. In both cases the FCJ considered that the enforcement of a claim for cease and desist due to the illegal sharing of an average successful, recently launched computer game respectively movie over an internet file-sharing network justifies an amount in dispute of at least EUR 15,000 in case of the computer game, which results in average reimbursable attorney fees of EUR 865, and of at least EUR 10,000 in case of the movie, which results in average reimbursable attorney fees of EUR 745. Depending on the individual case, the amount in dispute – and thus the reimbursable attorney fees – may also be higher. Read the rest of this entry »

Neuregelung des § 203 StGB – Freie Fahrt für Outsourcing im Gesundheits- und Versicherungssektor?

Von Jan Pohle

Unmittelbar nach dem Jahreswechsel hat das Bundesjustizministerium einen Referentenentwurf zur Neufassung und Ergänzung des § 203 StGB vorgelegt. Ziel der Gesetzesinitiative ist es, Rechtssicherheit für Berufsgeheimnisträger wie Ärzte, Rechtsanwälte, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer, aber auch für Lebens-, Unfall und Krankenversicherer herzustellen, wenn sie im Rahmen ihrer Berufs- oder Gewerbeausübung auf die “Hilfeleistung spezialisierter Unternehmen oder Selbständiger zurückgreifen”. Diese juristische Formulierung bezweckt nichts anderes, als dass es Berufsgeheimnisträgern wie Lebens-, Unfall und Krankenversicherern in Zukunft möglich sein soll, unter Vermeidung strafrechtlicher Konsequenzen, rechtssicher, namentlich im Bereich der Nutzung von Informationstechnik, auf externe Spezialisten zurückzugreifen. Kurzum: IT-Wartungsarbeiten werden ebenso wie IT-Outsourcing oder die Auslagerung von Geschäftsprozessen nach dem Willen der Bundesregierung zukünftig im Anwendungsbereich des § 203 StGB rechtssicher ermöglicht.

English Summary

The German Federal Ministry of Justice most recently published a draft bill aiming to re-draft Article 203 of the German Criminal Code which currently creates a substantial obstacle for the outsourcing activities of IT and business processes, inter alia, in the German health care and insurance sector. According to public sources, the draft shall be implemented to German law prior to the general elections in Germany scheduled for September 2017.

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Cyberkriminalität: Gewappnet für den Ernstfall?

Autoren: Dr. Jan Geert Meents, Jan Pohle und Dr. Christian Schoop *)

– Erschienen in der Börsenzeitung vom 14. Januar 2017 –

Immer wieder erschüttern spektakuläre Straftaten im Zusammenhang mit Cyberkriminalität die Wirtschaftswelt, zum Teil mit erheblichen finanziellen Schäden. So zuletzt in dem medienträchtigen Fall einer Cyber-Attacke auf über 900.000 DSL-Router oder die jüngst bekannt gewordenen Angriffe auf Yahoo, bei denen Hacker Daten von über einer Milliarde Kunden erlangten.

Die zunehmende Digitalisierung und Vernetzung wirtschaftlicher Prozesse schafft enorme Anreize für Kriminelle, schnelle Beute zu machen. Dies stellt für Unternehmen eine große organisatorische und personelle Herausforderung dar. Unternehmen drohen im Zusammenhang mit Cyberangriffen nicht nur der Verlust von Geschäfts- und Betriebsgeheimnissen, sondern bei nicht hinreichender Vorsorge oder einem nicht ordnungsgemäßen Verhalten im Ernstfall Reputationsschäden, Schadensersatzverpflichtungen und Bußgelder.

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Abmahngefahr? EU-weit einheitliche Pflicht zur Lebensmittel-Kennzeichnung seit Dezember 2016

Von Dr. Beatrice Brunn & Dr. Sonja Mroß

Seit dem 13. Dezember 2016 sind Nährwertangaben auf nahezu allen verpackten Lebensmitteln  verpflichtend. Die neue Pflicht zur Kennzeichnung erstreckt sich auf insgesamt sieben Nährwerte und wird neben weiteren Verpflichtungen durch die europaweit verbindliche Lebensmittel-Informationsverordnung (LMIV) geregelt. Verstöße gegen die Verordnung können über § 3a UWG wettbewerbsrechtlich abgemahnt werden. Die Wettbewerbszentrale weist aktuell auf ihrer Homepage bereits auf vermehrte Beschwerden aus der Wirtschaft über die fehlende Umsetzung, insbesondere bei über das Internet verkauften Lebensmitteln, hin. Verschickt wurden Hinweisschreiben an die betreffenden Händler, von Abmahnungen hat die Wettbewerbszentrale nach eigenen Angaben bislang abgesehen. Dies muss aber nicht so bleiben.

English Summary

New nutrition information rules are mandatory for almost all pre-packed food since 13 December 2016. The labeling obligation is among other duties covered by the EU-wide binding Food Information Regulation for Consumers (EU FIC) and applies to overall seven nutritional values. In Germany, breaches of the regulation may be considered as unfair competitive practice pursuant to sec. 3a of the German Act against Unfair Competition (UWG).

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