Abmahngefahr? EU-weit einheitliche Pflicht zur Lebensmittel-Kennzeichnung seit Dezember 2016

Von Dr. Beatrice Brunn & Dr. Sonja Mroß

Seit dem 13. Dezember 2016 sind Nährwertangaben auf nahezu allen verpackten Lebensmitteln  verpflichtend. Die neue Pflicht zur Kennzeichnung erstreckt sich auf insgesamt sieben Nährwerte und wird neben weiteren Verpflichtungen durch die europaweit verbindliche Lebensmittel-Informationsverordnung (LMIV) geregelt. Verstöße gegen die Verordnung können über § 3a UWG wettbewerbsrechtlich abgemahnt werden. Die Wettbewerbszentrale weist aktuell auf ihrer Homepage bereits auf vermehrte Beschwerden aus der Wirtschaft über die fehlende Umsetzung, insbesondere bei über das Internet verkauften Lebensmitteln, hin. Verschickt wurden Hinweisschreiben an die betreffenden Händler, von Abmahnungen hat die Wettbewerbszentrale nach eigenen Angaben bislang abgesehen. Dies muss aber nicht so bleiben.

English Summary

New nutrition information rules are mandatory for almost all pre-packed food since 13 December 2016. The labeling obligation is among other duties covered by the EU-wide binding Food Information Regulation for Consumers (EU FIC) and applies to overall seven nutritional values. In Germany, breaches of the regulation may be considered as unfair competitive practice pursuant to sec. 3a of the German Act against Unfair Competition (UWG).

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Teleshopping-Verbot: Änderungen des Heilmittelwerbegesetzes

Nach der jüngsten Änderung des § 8 S. 1 HWG mit Wirkung zum 24. Dezember 2016 ist das Teleshopping für Heilmittel verboten. Erfasst sind neben dem Verkauf von Arzneimitteln auch ärztliche, zahnärztliche oder tierärztliche Dienstleistungen. 

English Summary

Following the latest amendment of sec. 8 clause 1 German Drug Advertisment Act (HWG), teleshopping for pharmaceutical devices is prohibited. The prohibition also applies to medical, dental and veterinary services.

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Reform des Urhebervertragsrechts – Das gilt es für Rechteverwerter zukünftig zu beachten

Nach intensiven Diskussionen haben am 15. Dezember 2016 der Bundestag und am 16. Dezember 2016 der Bundesrat dem “Entwurf eines Gesetzes zur verbesserten Durchsetzung des Anspruchs der Urheber und ausübenden Künstlern auf angemessene Vergütung” verabschiedet. Das Gesetz ist bereits am 23. Dezember 2016 im Bundesgesetzblatt veröffentlicht worden, sodass es größten Teils bereits zum März 2017 in Kraft treten wird. Die wesentlichen Neuerungen sind dabei gesetzliche Auskunftsansprüche des Urhebers über die erfolgte Nutzung (§§ 32d, 32e UrhG n.F.), eine Einschränkung der Möglichkeit zur exklusiven Rechteeinräumung (§ 40a UrhG n.F.) und Neuregelungen für gemeinsame Vergütungsregeln im Sinne von § 36 UrhG. Bei ab dem 1. März 2017 geschlossenen Lizenzverträgen gilt es daher einiges zu beachten.

New law on copyright licensing passed by German legislator

Shortly before Christmas German legislator passed a new law on copyright licensing which will become effective from March 2017 onwards. The new las provides the author a right to information and a right to render an account regarding the use of his works as well as a limitation of unlimited exclusive licensing (‘total buy-outs’) and incentives for the agreement of collective remuneration contracts. Read the rest of this entry »

BGH: Rechtsprechungsänderung beim ergänzenden wettbewerbsrechtlichen Leistungsschutz

Der Bundesgerichtshof (BGH) hat in seiner Entscheidung Segmentstruktur vom 4. Mai 2016 (I ZR 58/14) die Fallgruppen des “Einschiebens in eine fremde Serie” und des “Saisonschutzes für Modeneuheiten” aufgegeben und zudem klargestellt, dass wettbewerbsrechtlicher Leistungsschutz stets ein unlauteres Verhalten voraussetzt. Der Gesichtspunkt der Behinderung soll zukünftig nur noch im Rahmen des § 4 Nr. 4 UWG (§ 4 Nr. 10 UWG a.F.) zu berücksichtigen sein. Demgegenüber kommt eine pauschale zeitliche Begrenzung des wettbewerbsrechtlichen Leistungsschutzes nach Ansicht des BGH nicht in Betracht. Weitere Details in GRUR-Prax 2016, 566.

English Summary

In its decision Segmentstruktur (ref. I ZR 226/14), the Federal Court of Justice (FCJ) has now made clear that supplementary imitation protection under competition law always presupposes unfair behaviour. In the past, it has been stated for particular cases – e.g. new fashions or products inserted into a third-party’s range – that imitation protection could be granted directly under German competition law. However, general time limits for such claims under competition law have been denied by the FCJ.

Update: EuGH zum Online-Urheberrecht

Was ist online erlaubt? Wer kann bei Urheberrechtsverletzungen in Anspruch genommen werden? Diesen Fragen hat sich der EuGH in den letzten Jahren vermehrt gewidmet. Seine Antworten sind dabei aus deutscher Sicht teilweise überraschend ausgefallen. Grund genug, um einmal den Inhalt der Entscheidungen und ihre Auswirkungen auf die bisherige deutsche Rechtsprechung näher zu beleuchten.

Update: ECJ on Online Copyright Law

What is allowed? Who is liable for online copyright infringements? The ECJ increasingly had to deal with such questions in the last years. From a German perspective its answer are partly surprising. This article therefore will take a closer look at the judgements and their impact on the German case law.

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Datenschutz-Grundverordnung – Datenschutzbehörden veröffentlichen Hinweise zum Datenschutzbeauftragten

Die Artikel-29-Datenschutzgruppe (das Koordinationsgremium der Datenschutzbehörden der Mitgliedsstaaten auf EU-Ebene) hat am 13. Dezember 2016 Leitlinien und FAQs veröffentlicht, die sich mit den Regelungen der Datenschutz-Grundverordnung (DS-GVO) zum Datenschutzbeauftragten (Art. 37-39 DS-GVO) befassen. Zwar sind diese Leitlinien rechtlich nicht verbindlich. Sie geben aber einen Eindruck davon, wie die europäischen Datenschutzbehörden die Bestimmungen interpretieren und dienen so als Orientierungshilfe für die Praxis.

English Summary

On 13 December 2016, the Article 29 Data Protection Working Party (the coordination group of the member states’ data protection authorities on EU level) published guidelines and FAQs regarding the provisions of the General Data Protection Regulation (GDPR) on the Data Protection Officer (Art. 37-39 GDPR). Although the guidelines are not binding, they provide an idea of how the European data protection authorities will interpret these provisions and therefore give guidance for practical application of the GDPR.

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Neuste Entwicklungen der Äquivalenzrechtsprechung des BGH

Auswahlentscheidung des Patentinhabers steht äquivalenter Patentverletzung entgegen – Konkretisierung der höchstrichterlichen Rechtsprechung zur Äquivalenz

In der Patentschrift offenbarte, aber nicht beanspruchte Ausführungsformen unterfallen nicht dem Äquivalenz- und damit Schutzbereich des Patents (BGH – Okklusionsvorrichtung und Diglycidverbindung). Die nicht beanspruchte Ausführungsform muss in der Patentbeschreibung jedoch explizit offenbart sein, ein bloße Auffindbarkeit für den Fachmann reicht nicht aus (BGH – Pemetrexed und V-förmige Führungsanordnung). Ob die Offenbarung nur in der aktuell gültigen Fassung der Patentschrift oder auch in früheren Fassungen erfolgen kann, ist noch nicht entschieden (BGH – V-förmige Führungsanordnung).

Selection decision of the patent owner excludes patent infringement under the doctrine of equivalents – Specification of the German Federal Court of Justice regarding the doctrine of equivalents

Making use of an embodiment disclosed but unclaimed by the patent does not constitute infringement under the doctrine of equivalents (German Federal Court of Justice (FCJ) – Okklusionsvorrichtung [occlusion device] and Diglycidverbindung [diglycidyl compounds]). The embodiment not claimed must be explicitly disclosed. It is not sufficient that the embodiment is obvious to the skilled person based on the disclosure in the patent description (FCJ – Pemetrexed and V-förmige Führungsanordnung [V-shaped guide formation]). The FCJ has not yet decided whether disclosure only in the current version or also in earlier versions of the patent description are relevant (FCJ – V-förmige Führungsanordnung).

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LG Hamburg: Strenge urheberrechtliche Haftung für kommerzielle Website-Betreiber

Das Landgericht (LG) Hamburg hat entschieden, dass die Verlinkung auf eine Webseite mit urheberrechtsverletzendem Inhalt durch einen kommerziellen Website-Betreiber eine rechtswidrige öffentliche Zugänglichmachung darstellt, wenn die Nutzung auf der verlinkten Website nicht ihrerseits von einer Genehmigung des Rechteinhabers getragen ist (Beschl. v. 18.11.2016 – Az.: 310 O 402/16). Soweit ersichtlich ist dies die erste Entscheidung eines deutschen Gerichts, die sich ausdrücklich auf die aufsehenerregende “GS Media”-Entscheidung des EuGH (Urt. v. 08.09.2016 – Az.: C-160/15) beruft.

Strict Liability for Linking to Copyright Infringing Content

The Hamburg District Court held that linking to copyright-infringing websites by an operator of a commercial website qualifies itself as an illegal making available to the public if it is done without the consent of the copyright holder.

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OLG Hamm – Werbung mit Garantie erfordert weitere Angaben über Bedingungen und Inhalt

Das Oberlandesgericht (OLG) Hamm nimmt ein wettbewerbswidriges Handeln an, wenn ein (Internet-)Angebot mit dem pauschalen Zusatz “fünf Jahre Garantie” versehen ist, ohne dass dem Verbraucher nach Maßgabe von Art. 246a EGBGB in klarer und verständlicher Weise vor dessen Vertragserklärung weitergehende Informationen über das Bestehen und die Bedingungen der Garantie zur Verfügung gestellt werden (Urt. v. 25.08.2016, Az.: 4 U 1/16).

English Summary

The Higher Regional Court (OLG) of Hamm ruled that the general information “five year warranty” relating to an (online) product offer is an infringement of competition law if the consumer is not provided with further information about the conditions of the warranty in a clear and comprehensible manner pursuant to Art. 246a of the Introductory Law to the German Civil Code (EGBGB).

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EU-Datenschutz – Entwurf für neue ePrivacy-Verordnung geleakt

von Jan Spittka und Verena Grentzenberg

Nachdem der EU-Gesetzgeber bereits die allgemeine Datenschutzrichtlinie (Richtlinie 95/46/EG) durch die Datenschutz-Grundverordnung (DS-GVO) ersetzt hat, welche ab dem 25. Mai 2018 gelten wird, soll nunmehr auch die Datenschutzrichtlinie für elektronische Kommunikation oder ePrivacy-Richtlinie (Richtlinie 2002/58/EG in der Fassung durch Richtlinie 2009/136/EG) reformiert werden. Wie bereits bei der DS-GVO wählt der EU-Gesetzgeber hierfür das Instrument einer unmittelbar in allen Mitgliedsstaaten geltenden Verordnung (ePrivacy-VO). Auch wenn der Gesetzgebungsprozess gerade erst begonnen hat, zeichnet sich bereits ab, dass die ePrivacy-VO ähnlich gravierende Änderungen wie die DS-GVO bringen wird.

English Summary

After the EU legislator has replaced the general Data Protection Directive (Directive 95/46/EC) by the General Data Protection Regulation (GDPR) which will become enforceable on 25 Mai 2018, the Directive on Privacy and Electronic Communications or ePrivacy Directive (Directive 2002/58/EC as modified by Directive 2009/136/EC) shall be reformed as well. As previously done for the GDPR, the EU legislator’s instrument of choice is a Regulation (ePrivacy Regulation) which is directly enforceable in all member states. Although the legislative process has only started, it becomes apparent that the ePrivacy Regulation will bring similar significant changes as the GDPR.

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