EU-Markenrechtsreform: Weitere Änderungen zum 1. Oktober 2017

Das europäische Markenrecht befindet sich im Umbruch. Ein am 15. Dezember 2015 vom Europäischen Parlament beschlossenes umfangreiches Reformpaket modernisiert schrittweise sowohl das Unionsmarkensystem als auch die parallel in den Mitgliedsstaaten existierenden nationalen Markensysteme – letztere durch eine entsprechende Richtlinie. Während die Richtlinienumsetzung noch etwas dauert, tritt für Unionsmarken zum 1. Oktober 2017 bereits die zweite Welle an Änderungen in Kraft. Die anstehenden Neuerungen lassen sich in drei Bereiche unterteilen: Zunächst wird für Unionsmarken das Erfordernis der grafischen Darstellbarkeit abgeschafft. Daneben wird auf EU-Ebene erstmals eine Gewährleistungsmarke eingeführt. Schließlich treten diverse formelle Änderungen für sog. Amtsverfahren – also Verfahren vor dem Amt der Europäischen Union für Geistiges Eigentum (EUIPO) und den entsprechenden Rechtsmittelinstanzen – in Kraft.

EU Trademark Reform: Further changes applying from 1 October 2017

EU trademark law is currently undergoing the biggest reform in its history. 1 October 2017 marks another important milestone in the implementation of the EU Trademark Reform Package as a further set of very important amendments will come into force. The main areas of change include the abolishment of the graphical representation requirement for trademarks, the introduction of a certification mark at EU level and a number of procedural changes that aim to streamline proceedings within the EU. The upcoming abolishment of the requirement of graphical representation for EU trademarks is among the most significant changes introduced by the reform package. This long-awaited amendment will make it much easier to register non-traditional trademarks. As of 1 October 2017 the requirement to represent a mark ‘graphically’ will no longer apply. It is envisioned that this will enable brand owners to obtain registrations for non-traditional trademarks, such as those protecting sound, colour, shapes and movements, far more easily. Read the rest of this entry »

Quo vadis Netzsperren? – EuGH hält The Pirate Bay für urheberrechtswidrig

Von Dr. Ulrike Grübler und Michael Schidler

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat im Rahmen eines Vorlageverfahren entschieden, dass das Geschäftsmodell der Filesharing-Plattform The Pirate Bay Urheberechte verletzt. Der Entscheidung liegt ein niederländisches Verfahren gegen zwei Access-Provider zugrunde, die auf Einrichtung einer sog. Netzsperre gegenüber der Tauschplattform verklagt worden waren. Voraussetzung hierfür ist die Bejahung einer Urheberrechtsverletzung durch The Pirate Bay, die wegen der technischen Ausgestaltung der Plattform fraglich war. Die EuGH-Richter erkannten zwar an, dass zunächst einmal die jeweiligen Nutzer für die Urheberrechtsverletzungen verantwortlich sind. The Pirate Bay erleichtert den Austausch der Dateien jedoch maßgeblich und nimmt bei der Zugänglichmachung eine zentrale Rolle ein, sodass eine öffentliche Widergabe zu bejahen ist (Urteil vom 14.06.2017 – Az. C-610/15).

Quo vadis website blocking? – CJEU decides that The Pirate Bay infringes copyrights

The Court of Justice of the European Union (CJEU) has held that the filesharing platform The Pirate Bay infringes upon copyrights. The preliminary ruling is based on Dutch proceedings against two access providers. The Dutch national courts had asked the CJEU whether the role of The Pirate Bay qualifies as communication to the public. The judges held that while the individual users may commit the infringement in first instance, The Pirate Bay facilitates the file sharing substantially. It also plays an important role when such works are made available (Judgment of 14/06/2017 – file number: C-610/15).

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berlin.com – LG Berlin entscheidet zur Domainnutzung durch Dritte

Von Dr. Ulrike Grübler und Siham Hidar

Das Landgericht (LG) Berlin hat entschieden, dass die Nutzung der Domain berlin.com für ein Online-Portal zu Themen rund um die Stadt Berlin nicht dem Land Berlin vorbehalten ist. Auch Dritte können ein solches Portal betreiben, soweit aus diesem deutlich wird, dass es sich bei dem Internetauftritt nicht um ein Angebot des Landes handelt. Die Nutzung eines Disclaimers, der bei Aufruf der Seite erscheint, kann hierfür ausreichen (Urteil vom 27. Februar 2017 – Az.: 3 O 19/15).

berlin.com – Regional Court of Berlin issues judgment on use of domain by third parties

The Regional Court of Berlin has decided that the use of the domain berlin.com for an online platform focusing on topics around the city of Berlin is not limited to the State of Berlin. Third parties may operate such platform as long as the non-official character is clarified. The use of a disclaimer that appears when one accesses the website may suffice (Judgment of 27 February 2017 – file number 3 O 19/15).

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BGH: Wer als Preisvergleichsportal nur provisionszahlungswillige Anbieter abbildet, muss dies gegenüber den Verbrauchern offenlegen

Berücksichtigt der Betreiber eines Preisvergleichsportals nur solche Anbieter, die sich dem Portalbetreiber gegenüber für den Fall eines erfolgreichen Vertragsabschlusses zur Zahlung einer Provision verpflichtet haben, so muss der Portalbetreiber Verbraucher auf diese Provisionszahlungen hinwiesen. Ein Hinweis auf der Geschäftskundenseite des Preisvergleichsportals ist unzureichend (BGH, Urt. v. 27.04.2017 – I ZR 55/16).

The Federal Court of Justice (BGH): Price comparison portal operators must disclose actual commission payments

The Federal Court of Justice has held, that a price comparison portal operator who only considers vendors who make commission payments to the operator in the case of a successful conclusion of contract must disclose these commission payments to the consumers. A disclosure of these commission payments only on the website for business consumers is insufficient (case No. I ZR 55/16).

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BGH: Weite Auslegung der urheberrechtlichen Schrankenregelung der sog. Panoramafreiheit

Der u.a. für das Urheberrecht zuständige I. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs (BGH) hat mit Urteil vom 27. April 2017 (Az. I ZR 247/15) entschieden, dass sich die sogenannte Panoramafreiheit gemäß § 59 Abs. 1 Satz 1 Urhebergesetz (d.h. die gesetzliche Erlaubnis urheberrechtlich geschützte Werke, die sich bleibend an öffentlichen Wegen, Straßen oder Plätzen befinden, mit Mitteln der Malerei oder Grafik, durch Lichtbild oder durch Film zu vervielfältigen, zu verbreiten und öffentlich wiederzugeben) auch auf Werke erstreckt, die nicht ortsfest sind, also zum Beispiel an Kreuzfahrtschiffen, Bussen, Taxis oder Straßenbahnen angebracht sind.

The Federal Court of Justice rules in favor of a wide interpretation of the so called “Freedom of Panorama” under German Copyright Law

The First Civil Chamber of the Federal Court of Justice, which is inter alia responsible for copyright disputes, has ruled on 27 April 2017 (case no I ZR 247/15) that the so called “Freedom of Panorama” pursuant to Sec. 59 para. 1 sentence 1 of the German Copyright Act (i.e. the legal permission to reproduce, disseminate and make publicly available copyright protected works that are located permanently in public paths, roads or places with means of painting or graphics, through photographs or film) also extends to copyright protected works that are not stationary, for instance that are affixed on cruise ships, busses, taxis or tramways.      

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OLG Hamburg: Markenrechtsverletzung durch Darstellungsform von Suchergebnissen

Das OLG Hamburg hat in seinem Beschluss vom 27.06.2016 (Az. 3 W 49/16) eine Markenverletzung in der inhaltlichen Darstellung einer Trefferliste als Ergebnis eines Suchvorgangs gesehen. Im konkreten Fall wurden bei einer Suche auf der Internetplattform der Antragsgegnerin durch Eingabe der aus zwei Buchstaben bestehenden Marke “MO” der Antragstellerin zusammen mit verschiedenen generischen Begriffen (z.B. Jacke oder Hose) Produkte von Wettbewerbern der Antragstellerin angezeigt. Dies geschah jeweils unter Angabe der folgenden Kopfzeile “Suchen nach MO (generischer Begriff wie Jacke, Hose etc.) (x) Produkte gefunden“.

English Summary

The Regional Court of Hamburg qualified the textual presentation of a hit list as a result of a search process as a trade mark infringement (3 W 49/16 – judgement dated 27 June 2016). Within the present case the defendant’s internet platform showed products of competitors of the applicant when entering its trademark “MO” together with different generic terms (e.g. jacket or trousers) as a search word. The search results were displayed by using the following headline “Search for MO (generic terms such as jacket, trousers etc.) (x) products found”. Read the rest of this entry »

EuGH stellt klar: Auch das Nutzen von illegalen Streaming-Angeboten ist rechtswidrig

Nicht nur der Betreiber von illegalen Streaming-Angeboten, sondern auch deren Nutzer begehen nach Auffassung des EuGH eine Urheberrechtsverletzung. Diese bislang umstrittene Frage klärte der EuGH nunmehr in seiner jetzt vorliegenden Entscheidung (Entscheidung vom 26. April 2017 – Rechtssache C‑527/15).

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BGH: Einwilligung in E-Mail-Werbung muss Produkte / Dienstleistungen sowie Unternehmen konkretisieren

Eine Einwilligung in Werbung mit elektronischer Post ist nur dann wirksam, wenn sie die Produkte oder Dienstleistungen sowie die Unternehmen transparent und konkret benennt. Das hat der Bundesgerichtshof (BGH) in einer Fortführung seiner bisherigen Rechtsprechung entschieden und weiter ausgeführt, dass ein Unterlassungsschuldner aus datenschutzrechtlicher Sicht ein berechtigtes Interesse haben kann, die E-Mail-Adresse des Betroffenen gegen dessen Willen zu Lösch- oder Sperrzwecken an seine Werbepartner weiterzuleiten, um seiner Unterlassungsverpflichtung nach zu kommen (Urteil vom 14.03.2017, Az. VI ZR 721/15).

Requirements for effective consent in direct marketing

The Federal Court of Justice (BGH) has held, that an effective consent regarding e-mail advertising requires information’s in the statement about the concrete products, services and corporations that are covered. The court also elaborated that the cease and desist-obligor might have a legitimate interest from a data protection law point of view to forward the email address of the person concerned to his advertising partners even against this person’s will, if it is the only way to meet his cease and desist-obligations.

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Der Datenschutzbeauftragte unter der DS-GVO – LDI NRW veröffentlicht FAQ

von Jan Spittka und Julia Hellmann

Nach der Artikel 29-Datenschutzgruppe hat nunmehr auch die Landesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit Nordrhein-Westfalen (LDI NRW) als erste deutsche Aufsichtsbehörde Hinweise zu Stellung und Aufgaben des betrieblichen Datenschutzbeauftragten unter der EU-Datenschutz-Grundverordnung (DS-GVO) veröffentlicht. FAQ ergänzen die Hinweise der Artikel-29-Gruppe und gehen auf deutsche Besonderheiten ein. In bestimmten Punkten kommen jedoch auch Abweichungen von der Interpretation der Art. 37 – 39 DS-GVO durch die Artikel-29-Gruppe zum Vorschein.

English Summary

Following the Article 29 Data Protection Working Party, the Commissioner for Data Protection and Freedom of Information of North Rhine-Westphalia (Landesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit Nordrhein-Westfalen – LDI NRW) is the first German supervisory authority to publish guidelines regarding the position and tasks of the data protection officer under the EU General Data Protection Regulation (GDPR). The FAQ complement the guidelines by the Article 29 WP and also deal with specific German law characteristics. However, in certain points the LDI NRW deviates from the Article 29 WP’s interpretation of the Article 37 to 39 GDPR.  

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Unerlaubte E-Mail-Werbung: OLG München zur Beschränkung der Unterlassungserklärung auf konkrete Adressen und zur Zulässigkeit vom Double-Opt-in Verfahren

Eine Unterlassungsverpflichtungserklärung mit dem Inhalt “ihn (…) per E-Mail zu kontaktieren” umfasst mangels einer genauen Begrenzung jegliche E-Mail Adresse des Unterlassungsgläubigers. So hat das Oberlandesgericht (OLG) München entschieden und weiterhin zu erkennen gegeben, dass jedoch eine E-Mail mit einer Bestätigungsanfrage im Rahmen eines Double-Opt-in Verfahrens nicht als Werbung gewertet werden muss. Jedenfalls müsse der Nachweis, dass diese E-Mail auf Grundlage einer Anfrage des Betreffenden versendet wurde, durch den Werbenden erfolgen (Urteil vom 23.01.2017, Az. 21 U 4747/15).

Illegal e-mail advertising: Higher Regional Court of Munich to the scope of declarations to cease and desist and to the double-opt-in procedure

The Higher Regional Court of Munich has held, that a declaration to cease and desist with the restriction “to contact him / her by e-mail” incorporates any e-mail address of the person concerned, if other precise limitations are absent. The court also indicated, that an e-mail with a confirmation request in the context of a double-opt-in procedure does not necessarily have to be regarded as advertising. In any case the proof that the e-mail has been sent on the basis of a request from the mail addressee has to be provided by the advertiser (case no 21 U 4747/15).

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